Manche Quallen sind theoretisch unsterblich
Quallen gehören zu den ältesten Tieren der Erde. Seit über 500 Millionen Jahren schweben sie durch die Ozeane. Doch eine Art übertrifft alles, was wir über Lebenszyklen kennen: die Turritopsis dohrnii, bekannt als die „unsterbliche Qualle“. Sie besitzt die einzigartige Fähigkeit, ihren Lebenszyklus zurückzusetzen, eine Art biologischer Neustart, der sie theoretisch unsterblich macht.
Normalerweise durchlaufen Quallen einen klaren Lebenszyklus: Von einer winzigen Larve entwickeln sie sich zu einem Polypen, dann zur Meduse, der klassischen, glockenförmigen Qualle. Bei den meisten Arten endet dieser Zyklus schließlich mit dem Tod. Nicht so bei Turritopsis dohrnii. Wenn sie verletzt, gestresst oder alt wird, kann sie ihren Körper vollständig in den Polypen-Zustand zurückverwandeln. Es ist, als würde ein Schmetterling wieder zur Raupe werden.
Dieser Prozess heißt Transdifferenzierung. Dabei werden die Zellen der Qualle nicht nur repariert, sondern vollständig umprogrammiert und in neue Zelltypen umgewandelt. Aus einer alternden Qualle entsteht so eine Art „neues Baby“, das den gesamten Lebenszyklus erneut durchlaufen kann. Und das theoretisch unbegrenzt.
Diese Fähigkeit ist so außergewöhnlich, dass sie die Wissenschaft seit Jahren fasziniert. Forscher hoffen, durch das Studium dieser Qualle mehr darüber zu erfahren, wie Zellalterung funktioniert und wie man sie vielleicht verlangsamen oder aufhalten könnte. Die unsterbliche Qualle betreibt gewissermaßen biologische Recyclingkunst: Sie nutzt ihre eigenen Zellen mehrfach und verhindert so, dass der Körper endgültig degeneriert.
Unsterblich bedeutet jedoch nicht unverwundbar. Turritopsis dohrnii kann gefressen werden, Krankheiten bekommen oder in Gefahr geraten. Deshalb leben auch diese Quallen nicht tatsächlich für immer. Aber rein biologisch betrachtet besitzen sie einen Mechanismus, der das Altern selbst außer Kraft setzt. Etwas, das in der Natur extrem selten ist.