Wir vergessen 90% unserer TrÀume
TrÀume gehören zu den geheimnisvollsten Funktionen unseres Gehirns. Jede Nacht erschafft unser Unterbewusstsein ganze Welten, Geschichten, Emotionen, Bilder und Szenen, die oft surreal und gleichzeitig unglaublich real erscheinen. Doch obwohl wir mehrere Male pro Nacht trÀumen, erinnern wir uns am nÀchsten Morgen meist nur an den Bruchteil dessen, was wir erlebt haben. Die Forschung zeigt: Wir vergessen etwa 90 % aller TrÀume innerhalb weniger Minuten nach dem Aufwachen.
Der Grund dafĂŒr liegt in der Art und Weise, wie unser Gehirn wĂ€hrend des Schlafs arbeitet. Besonders intensive TrĂ€ume entstehen in der REM-Schlafphase. In dieser Phase ist das Gehirn fast so aktiv wie im Wachzustand. Allerdings ist ein entscheidender Bereich weniger aktiv: der prĂ€frontale Cortex, der normalerweise fĂŒr Logik, Ordnung und Erinnerung verantwortlich ist. Das fĂŒhrt dazu, dass die meisten TrĂ€ume zwar emotional intensiv sind, aber nicht als stabile Erinnerungen abgespeichert werden.
Direkt nach dem Aufwachen schaltet das Gehirn langsam wieder in den bewussten Zustand. Werden die TrĂ€ume in dieser Ăbergangsphase nicht sofort wiederholt oder bewusst abgerufen, verschwinden sie so schnell, dass man sie kaum festhalten kann. Schon nach wenigen Minuten ist ein GroĂteil verloren.
Unsere TrĂ€ume erfĂŒllen jedoch wichtige Funktionen. Forschende gehen davon aus, dass das Gehirn im Traum Emotionen verarbeitet, Erinnerungen ordnet und neue Verbindungen zwischen Gedanken herstellt. Manchmal lösen TrĂ€ume sogar Probleme, die unser Bewusstsein noch nicht vollstĂ€ndig erfasst hat. Obwohl wir uns an die meisten TrĂ€ume nicht erinnern, wirken sie im Hintergrund nachhaltig auf unser Denken und FĂŒhlen.
Interessanterweise gibt es Menschen, die sich deutlich besser an ihre TrĂ€ume erinnern als andere. Wer kurz vor dem Erwachen eine REM-Phase hat, erinnert sich oft mehr. Auch regelmĂ€Ăiges Traumtagebuchschreiben kann die FĂ€higkeit verbessern, TrĂ€ume festzuhalten.
Dass wir etwa 90 % unserer TrĂ€ume vergessen, ist nicht etwa ein Fehler, sondern ein natĂŒrlicher Schutzmechanismus. WĂŒrden wir alle TrĂ€ume klar behalten, wĂ€re die Grenze zwischen RealitĂ€t und Traumwelt möglicherweise schwerer zu erkennen. Das Vergessen hilft uns, den Kopf freizuhalten und trotzdem von den kreativen, emotionalen und neurobiologischen Prozessen zu profitieren, die jede Nacht in uns stattfinden.