Delfine rufen sich gegenseitig mit Namen

Delfine rufen sich gegenseitig mit Namen

Delfine gehören zu den intelligentesten Tieren der Erde. Ihre sozialen Strukturen, ihre Kommunikationsformen und ihre LernfĂ€higkeit faszinieren Forschende auf der ganzen Welt. Eine der erstaunlichsten Entdeckungen der letzten Jahrzehnte ist jedoch, dass Delfine etwas tun, von dem man lange glaubte, es sei ausschließlich Menschen vorbehalten: Sie verwenden individuelle „Namen“, um sich gegenseitig anzusprechen.

Was wir als „Namen“ bezeichnen, sind in Wahrheit sogenannte Signature Whistles, einzigartige Pfeiflaute, die jeder Delfin im Laufe seines Lebens entwickelt. Diese Signaturpfiffe funktionieren Ă€hnlich wie ein akustischer Fingerabdruck. Jeder Delfin hat dabei sein ganz eigenes Klangmuster, das andere Gruppenmitglieder eindeutig erkennen können. Schon junge Delfine lernen solche Laute wenige Monate nach ihrer Geburt. Dabei entstehen Muster, die so konstant bleiben, dass sie ĂŒber Jahre hinweg verwendet werden.

Die Funktion dieser Laute ist klar: Sie dienen der gezielten Kommunikation. Wenn ein Delfin beispielsweise einen bestimmten Artgenossen kontaktieren möchte, imitieren sie exakt dessen Signaturpfiff. Das ist vergleichbar damit, eine Person beim Namen zu rufen. Studien haben gezeigt, dass Delfine sofort reagieren, wenn sie ihren eigenen Signaturpfiff hören, und zwar unabhÀngig davon, wer ihn erzeugt hat. Diese FÀhigkeit setzt eine enorme akustische PrÀzision und ein hochentwickeltes GedÀchtnis voraus.

Der soziale Nutzen dieser „Namen“ ist groß. Delfingruppen sind sehr dynamisch: Sie bilden lose VerbĂ€nde, trennen sich, schließen sich wieder an und kooperieren hĂ€ufig mit anderen Gruppen. In diesem flexiblen System ist es wichtig, einzelne Individuen aus der Distanz ansprechen zu können. Signature Whistles ermöglichen genau das und helfen den Tieren dabei, Orientierung und soziale Bindungen zu erhalten.

Besonders beeindruckend ist, wie bewusst und zielgerichtet Delfine diese Kommunikation einsetzen. Forschende konnten beobachten, dass Delfine nicht nur fremde Signaturpfiffe imitieren, sondern dies gezielt und selektiv tun, etwa wĂ€hrend der Jagd, wenn Gruppenmitglieder koordiniert handeln mĂŒssen, oder wenn Jungtiere nach ihrer Mutter suchen. Es handelt sich also nicht um zufĂ€llige Laute, sondern um bewusste InformationsĂŒbertragung.

Ein weiterer spannender Punkt ist die FlexibilitÀt der Signaturpfiffe. Manche Delfine modifizieren ihre Laute leicht, wenn sie mit engen Freunden oder Verwandten kommunizieren. Diese Variation erinnert an menschliche Spitznamen oder bestimmte Sprachstile, die wir mit vertrauten Personen verwenden.

Die Entdeckung, dass Delfine individuelle Namen nutzen, hat unser VerstÀndnis von tierischer Kommunikation grundlegend erweitert. Sie zeigt, dass Sprache, zumindest in einfachen Formen, nicht allein dem Menschen vorbehalten ist. Vielmehr besitzen auch andere intelligente Spezies Systeme, die auf Wiedererkennung, Identifikation und gezielter Ansprache basieren.

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Aktuelles Bild: delfin.png

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